Bravour is out, again
Meine Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel Bravour ist auf Amazon erschienen. Wait a second… ist das nicht das alte Buch, das 2024 veröffentlicht wurde?
Ja, richtig. Aber hier handelt es sich um die neue Ausgabe. Neu im Sinne von überarbeitetem Cover und neuem Titel. Nicht mehr Datteln in der Bröselburg, sondern Bravour. Das war der ursprüngliche Titel, der in letzter Minute geändert wurde.
Warum? Mehrere Gründe. Erstens war mir der Titel zu schwammig und nicht witzig genug. Was ist Bravour? Datteln in der Bröselburg klang da irgendwie schräger. Egal. Zweitens hatte ich die Absicht, eine Trilogie zu schaffen, und Bravour wäre die Reihe, während Datteln… als Titel fungieren würde. Das mit der Trilogie wurde nichts, dafür war mir das Feedback zu schlecht.
Aber, Blabla, who cares. Hier das neue Bild:

Bravour handelt von dem Werbetexter Rowini30, der für die Wiener Agentur Bravour Abenteuer auf der ganzen Welt bestreitet.
Klappentext
Bravour vereint die ersten drei Kurzgeschichten rund um den Werbetexter Rowini in einem attraktiven Sammelband.
Erleben Sie in Rowini und die Fata Morgana, wie ich in einem Wüstenstaat eine verrückte Halbinsel für Superreiche bewerben muss. Charity-Events, deutsche Autos, künstliche Intelligenz und echte Körpersäfte vermischen sich zu einem explosiven Mocktail der Gefühle. Und des Denkens.
Rowini und die Bröselburg zeigt auf, wie sich in Wien Werbung machen lässt. Nach einem Terroranschlag auf dem Naschmarkt muss der Ruf der Stadt rehabilitiert werden. Ehe die Touristen fern bleiben. Kann es Rowini und seine Mannschaft aus wackeren Werbeleuten schaffen, die Stadt vor einem Fremdenverkehrs-Super-GAU zu retten? Körpersäfte sind auch wieder mit dabei.
Last but not least bietet Rowini und die wilden Datteln eine aufregende Erzählung über einen Kibbuz in Israel. Anarchistische Romantiker, ungefickte Amerikaner, Incel-Philosophie und die Realität der Marktwirtschaft. All das findet seinen Platz in einem jazzigen Miteinander, das selbstorganisiert den Weg zur Wahrheit findet.
https://www.amazon.de/dp/B0DQHM6KYW
Auszüge
Rowini und die Fata Morgana
Es klopfte. Jemand hämmerte, vor versammelter Truppe, auf einen Lobster am Buffet ein. Der stählerne Kopf senkte sich auf die Schale, und durchbrach sie. Es wurde gelacht.
Es war der Empfang zur Eröffnung von Najima. Genauer gesagt, dessen Fertigstellung; die offizielle Eröffnung sollte in zwei Wochen erfolgen, sobald die Werbung fertig und das ganze Quartier von Baustaub gesäubert worden war. Die Sheikha, die Frau des Emirs, streifte durch die Menge. Ihr Gesicht gestrafft, und in manch seltsamen Winkel verzerrt, wurde sie dicht gefolgt von ihrem koreanischen Make-Up-Berater. Der ihr ins Ohr flüsterte, falls eine Auffrischung von Nöten war.
Ein Tag war vergangen, und wir hatten den zuständigen Scheich getroffen. Ahmal bin Sulayman al Tirmidhi schien geistig bereits beim nächsten Projekt zu sein und Ludwig war davon überzeugt, dass er ihm eine alte Kampagne unterjubeln konnte.
Künstliche Intelligenz, intelligent living. Smart living. Wiederverwertbar. Sustainable. Solarenergie. Turbinen. Warmwasser durch Hydro-Energie. Das Viertel als Dorf. Arbeiten und Leben im selben Ort. Den CO2-Footprint verringern. Falls es noch andere Schlagwörter zum Energieverbrauch gab, ich wusste sie nicht. Najima klang wie eine Kollektion kontemporärer Trends, die modernes Leben beschreiben.
Rowini und die Bröselburg
Der Pitbull rettete unser Leben. Wir waren am Karlsplatz gewesen, für die große Schau. Jonathan Fischer live, im Springbrunnen vor der Karlskirche. Es sollte eine romantische Liebeserklärung an Wien werden, der Chansonnier mit seinem Bösendorfer singt schmalzige Lieder über Herzschmerz. Doch leider hatte jemand vergessen, den betroffenen Stellen mitzuteilen, dass sich die Wasserfontäne nicht einschalten sollte. Während der Aufführung. Weil zu diesem Zeitpunkt ein Bösendorfer-Flügel inmitten des Brunnens stehen würde. Manche böse Zungen wollten behaupten, ich wäre der Zuständige für diese Aufgabe gewesen.
Jedenfalls waren wir am Nachmittag eingetroffen samt Kran und Lastwagen, um das gute Stück österreichischen Instrumentenbauerhandwerks in die Wasserinsel vor dem barocken Bauwerk zu hieven. Warum? Weil es cool ausschauen würde. Die Lichter spiegeln im Wasser, die sanften Klavierklänge – ein Traum. Dahinter die Pracht kirchlicher Architektur, angestrahlt von Scheinwerfern. Ein Moment, der sich ins Gedächtnis brennen würde. Und von hunderten Mobiltelefonen festgehalten werden würde.
Doch dann kam das Wasser. Und pratschelte auf das Tasteninstrument. Jonathan Fischer war nicht begeistert. Die Menge hielt den Atem an. Wenn ich sage „nicht begeistert", meine ich, er hatte einen Nervenzusammenbruch. Schreie, mehr Black Metal als Chanson, gellten über das Wasser. Die Handys wurden gezückt, die Kameras eingestellt.
Rowini und die wilden Datteln
Der Tag meines Vortrags war gekommen. Ich sollte das Konzept zur Revitalisierung des Kibbuz präsentieren. Dafür ging ich auf die wöchentliche Versammlung, die im leer-geräumten Speisesaal stattfand. Die Kibbuzniks würden im Halbkreis sitzen und über den Fortbestand ihres kollektiven Landwirtschaftsbetriebes diskutieren. So auch Sulamith – als gleichwertiges Mitglied ohne Sonderrechte, wohlgemerkt. Laut der Selbstdarstellung war Kibbuz Hofshi ein anarchistisches Kollektiv, kein Gott und kein Meister. Für den Namen stand Natan Hofshi Pate, ein israelischer Anarcho-Pazifist und Friedensaktivist. Doch wie es mit dem Anarchismus stand, mochte ich bezweifeln. Seit den 80er Jahren blieb die finanzielle Unterstützung von seiten des israelischen Staates aus, und die Kibbuzim (Mehrzahl für Kibbuz, hebräisch) sahen sich der harten Realität des Lebens in der freien Marktwirtschaft gegenübergestellt.
Während andere bereits billige Thai-Gastarbeiter zur Bewirtung der Felder einsetzten, setzte Hofshi weiter auf Volontäre. Die anarchistischen Wurzeln verlangten es.
Die Unterschicht gegen Lohn arbeiten zu lassen, schien weniger nobel als Freiwillige mit dem Privileg anzuvertrauen, ein Ideal am Leben zu erhalten.
Ich ging auf das große Gebäude am Hauptplatz zu. Die Mittagssonne knallte nieder, und die Palmen wehten in einer leichten Brise. Yoel kam auf mich zugesteuert. Er war verantwortlich dafür, auf die Volontäre aufzupassen. Ob sie sich alle richtig verhielten. Ob sie nicht ausflippten oder irgendwelche Anzeichen für geistige Krankheiten zeigten. Man weiß ja nie. Schließlich sind das Leute, die umsonst arbeiten. Was sind das für Deppen?